empowerment


Empowerment
Der Begriff "Empowerment" entstammt der amerikanischen Gemeindepsychologie und wird mit dem Sozialwissenschaftler Julian Rappaport (1985) in Verbindung gebracht. Empowerment ist am ehesten zu übersetzen mit "Selbstbemächtigung".
 
Empowermentprozesse beziehen sich auf die Unterstützung von Individuen und Gruppen. In der Gruppe Gleichbetroffener liegt die Chance, sich gegenseitig auszutauschen, sich emotional zu bestärken und sich kundig zu machen für den bewußten Umgang mit professioneller Hilfe.
 
Empowerment ist auch eine bestimmte Haltung der professionellen Helferin gegenüber ihrer Klientin, wenn diese gekennzeichnet ist durch die Auffassung, dass beispielsweise Frauen, die als behindert klassifiziert werden, Expertinnen ihrer selbst sind. Diese sollen ermutigt und bestärkt werden, für sich autonome Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, indem ihnen bspw. Lernmöglichkeiten des Selbstschutzes angeboten werden.
Empowerment und Schule –
Selbstbestimmtes Lernen geistig behinderter Schüler durch Handlungsorientierten Unterricht (eine Zusammenfassung v. Thomas Richters)
 
Empowerment, eine Begriffsklärung:
 
Der Begriff "Empowerment" entstammt der amerikanischen Gemeindepsychologie und wird mit dem Sozialwissenschaftler Julian Rappaport (1985) in Verbindung gebracht. Empowerment ist am ehesten zu übersetzen mit "Selbstbemächtigung".
Empowerment-Prozesse beziehen sich auf die Unterstützung von Individuen und Gruppen. In der Gruppe Gleichbetroffener liegt die Chance, sich gegenseitig auszutauschen, sich emotional zu bestärken und sich kundig zu machen für den bewussten Umgang mit professioneller Hilfe.
Empowerment ist auch eine bestimmte Haltung der professionellen Helferin gegenüber ihrer Klientin, wenn diese gekennzeichnet ist durch die Auffassung, dass beispielsweise Frauen, die als behindert klassifiziert werden, Expertinnen ihrer selbst sind. Diese sollen ermutigt und bestärkt werden, für sich autonome Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, indem ihnen bspw. Lernmöglichkeiten des Selbstschutzes angeboten werden.
 
Empowerment und Schule
 
Handlungsorientierung meint in der Pädagogik den Gegensatz zur  „ Verkopfung “ der Unterrichtsführung. Gegensatz zu dem, wo Unterrichtsinhalte sprachlich und sachlogisch strukturiert vermittelt wird. Handlungsorientierte Konzeption im Unterricht mit geistig behinderten Schülern, wird häufig mit deren kognitiven Einschränkungen begründet.
 
Beobachtungen in der Praxis weisen darauf hin, dass der Unterricht mit geistig behinderten Schülern in der Gefahr steht, Bildungs- und Erziehungsprozesse zu verschulen und einer Verkopfung Raum zu geben. Das wird deutlich, an dem recht hohen Anteil an Unterrichts- gesprächen und verbalen Informationen des Lehrers (Lehrervorträge), obwohl diese Methode sehr hohe Anforderungen an die kognitive und kommunikative Leistungsfähigkeit des Schülers stellt. Es ist eine der schwierigsten Form des Lernens, meint die Zusammenführung von Begriff und Wissen, sowie Gegenstand und Realität. ( Beispiel: Unsere Diskussion um das Verhalten im Unterricht ).
Auf der anderen Seite wird aber auch versucht, praktisch, vom Lehrer angeleitet, zu arbeiten. Dabei wird häufig dem Handeln Raum gegeben, wobei der Sinnzusammenhang vom handeln und denken nicht mehr gesehen wird.
Handlungsorientierung meint die sinnvolle Verbindung von Handeln und Denken / Nachdenken. Daraus ergibt sich, dass Handlungsorientierung des Unterrichts, die Vermittlung von Theorie und Praxis, dem geistig behinderten Schüler hilft Lebensbezug herzustellen und zu Selbstbestimmten Handeln zu kommen.
Wenn in der Gestaltung des Unterrichts, der Schulstunde, die das Ziel der Selbstbestimmung der geistig behinderten Schüler, deren eigenverantwortliche Entscheidung und autonomes Handeln hat, sowie deren personalem Sein berücksichtigt, dann wird der didaktische Aktionsrahmen des Lehrers sehr komplex.
 
Die Heterogenität der Schülerschaft wirft für die Praxis des Unterrichts viele Fragen auf. Die Breite von geistig schwerst- und mehrfachbehinderten Schülern bis zum Schüler mit leichten geistigen Behinderungen ( Überschneidung zur Lernbehinderung ) wirf oft Fragen nach den richtigen didaktischen Modellen der Unterrichtsgestaltung und Durchführung auf. Bei der Vielzahl an didaktischen Modellen, den unterschiedlichen Lernsituationen an einem Schulvormittag und der Unterschiedlichkeit der Schülerschaft bezgl. Lernbedarf und Lernverhalten, ist es ein hoffnungsloses Unterfangen immer die richtige Methode zur Hand zu haben.
 
Auf die Frage nach der methodischen bewussten Entsprechung individueller Lernbedürfnisse kann die handlungsorientierte Position weiterhelfen.
Kinder, geistigbehinderten oder nicht behinderte, gehen, wenn sie einseitig zu stark kognitiv beansprucht werden, einer Nebentätigkeit nach. Sie beschäftigen sich nicht mehr mit dem Lernstoff, ihre Aufmerksamkeit liegt nicht mehr beim Unterrichtsstoff. Bei der genauen Analyse dieser Nebentätigkeiten kann man erkennen, was im Unterricht fehlt.
Bei diesen Nebentätigkeiten machen sie all das, was sie für wichtig erachten. Sie handeln selbständig, sprachlich, körpersprachig, grob- und feinmotorisch, bildnerisch, aufmerksam und in sozialen Bezügen.
Diese Nebentätigkeiten sollten wir aber nicht aus den angeblichen Unvermögen eines geistig behinderten Schülers ableiten, konzentriert bei der Sache zu bleiben oder verbalen Erklärungen folgen zu können. Folgerichtiger wäre es, daraus Lernbedürfnisse abzuleiten.
Also nicht aus dem methodischen Blickwinkel des Lehrers argumentieren, sondern aus dem Blickwinkel des Schülers, der über ein bestimmtes Maß an Handlungsfähigkeit verfügt, die in einem offenen Lernprozess freigelegt werden müssen.
 
Drei unterschiedliche Konzepte selbstbestimmten Lernens in handlungsorientierten Unterricht  sind in dem Text angerissen.
1. nach John
 
John geht davon aus, dass ein Unterricht, der aus der begrenzten Erwartungshaltung von eingeschränkten Lernverhalten geistig behinderter Schüler geplant wird, zu einer hemmenden Konstante in der Persönlichkeitsentwicklung des Schülers wird.
Die Empowerment Idee grenzt sich von solchen Unterrichtskonzeptionen ab. Die „ Einschränkungen „ des geistig behinderten Schülers darf nicht die Orientierungsgröße bei der methodisch-didaktischen Überlegung zum Unterricht sein.
John behauptet weiter, dass gerade diese stereotype schulische Sozialisation viele typische Merkmale geistig Behinderter mit verursacht.
Persönliche Anmerkung: 
Es ging bei der Diskussion um die Tatsache, dass wir mit unserer Arbeit die Stigmatisierung von Behinderten fördern und verursachen.
Emanzipatorische Inhalte wie Selbstbestimmung, Selbstorganisation, experimentelle Arbeits- und Lernformen sowie Kreativität fördernder Unterricht sind so wichtig, weil nur durch sie ein ganzheitlicher ausgerichteter projektorientierter Unterricht möglich ist.
 
Als durchgängiges Leitziel sollen die Lernbereiche „Soziales Lernen/Verhaltenserziehung“ und „Umwelterziehung“ im Lehrplan festgeschrieben werden. Diese Leitziele soll alle Lernbereiche als durchgängiges Leitziel miteinander verbinden und integrationsfördernde Aktivitäten   vor allem in Projekten umsetzen helfen.
Alle Lernbereiche, Inhalte, Strukturen und Methoden müssen kritisch danach überprüft werden, ob sie im Sinne des Empowerments-Konzepts, selbstbestimmtes, autonomes Handeln fördern.
John stellt auch einen Entwurf einer Rahmenrichtlinie vor, in der Aspekte selbstbestimmten Lernens eingebettet sind. Die Rahmenrichtlinie ist in sechs „Lebensbereiche“ eingeteilt:
-         Ich - Erfahrung
-         Wohnen
-         Freizeit
-         Arbeit und Beruf
-         Öffentlichkeit
-         Umwelt und Umweltschutz
 
Hierbei hat der „Lebensbereich“ Ich – Erfahrung eine übergreifende Funktion. Lernziele, Inhalte und didaktisch-methodische Hinweise in diesem „Lebensbereich“ werden im Hinblick auf eine „gezielte Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsfindung im sozialen Umfeld“ fixiert.
 
Sie orientieren sich an den Prinzipien von Autonomie und Partizipation.
Dementsprechend werden zunächst die „Grundlagen für die Ich-Erfahrung in den Lernzielbestimmungen umgesetzt.
 
1.Grundlagen der Ich-Erfahrung :
-          psychophysische Spannungen erfahren und bewältigen
-          in der Auseinandersetzung mit der Umwelt das eigene
-          Aktionspotential anwenden und differenzieren
-          soziale Anerkennung erfahren
 
2. Zunahme persönlicher Bewusstheit:
-          körperliche Vorgänge und Veränderungen an sich selbst 
-          wahrnehmen
-          psychosoziale Vorgänge und Veränderungen an sich selbst
-          wahrnehmen und bewältigen
 
3. Zunahme von Selbständigkeit
 
4. Zunahme von Individualität
-          individuelle Ausdrucksformen entwickeln
-          Wünsche und Bedürfnisse kennen und entwickeln
-          Begabungen und Interessen kennen und entwickeln
 
5. Zunahme sozialer Kompetenz
-          Kommunikationsfähigkeit entwickeln
-          Konfliktfähigkeit entwickeln
-          Kooperationsfähigkeit entwickeln
-          Fähigkeit zum verantwortlichen handeln entwickeln
-          Beziehungsfähigkeit entwickeln
 
6. Zunahme von entscheidungs- und Mitbestimmungskompetenzen
    selbst entscheiden und mitbestimmen
 
In der unterrichtspraktischen Umsetzung sollen diese Lernziele und –Inhalte in Verbindung mit anderen Lernzielen aus den übrigen „Lebensbereichen“ gesehen und realisiert werden.
 
Die Erziehung zur Selbständigkeit hat das Ziel, dem Menschen eine weitestgehende äußere (lebenspraktische) und innere (psychosoziale) Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu ermöglichen. Diese findet ihren Ausdruck in der Selbstbestimmung, der Fähigkeit des Selbst-Entscheidens und Selbst-Handelns. Selbstbestimmtes Handeln muss als Ziel und als Mittel/Methode des Unterrichts begriffen werden.
 
Die Zunahme der Selbständigkeit ist für jede Geistig behinderte Schülerin und jeden geistig behinderten Schüler auf jeder Niveaustufe des Lernens möglich.
 
Methodeneklektizismus ist für John die große Gefahr, weil bei der nach adäquaten Fördermöglichkeiten die verschiedenen praktikable erscheinenden Förderkonzeptionen aus der Behindertenarbeit in die Unterrichtspraxis aufgenommen werden, ohne sie in einen für die Schülergruppe ganzheitlichen Unterricht einzubinden. Es besteht die Gefahr die Förderempfehlungen aufgenommen werden, die nicht in übergreifende Sinnzusammenhänge eingebettet sind und nur die  isolierte Ausbildung von Teilfunktionen beabsichtigt.
 
Es besteht die Gefahr, dass die ganzheitliche Orientierung auf ein Erziehungskonzept verloren geht.
 
John: Eine stärkere Orientierung an den offenen Lernangeboten mit größeren Anteilen an Selbstorganisation und Mitentscheidung für Schüler – angefangen von vereinfachte Formen der Wocheplanarbeit, freizeitpädagogischen Arbeitsformen..... – führen zu größerer Lebensqualität als eine noch immer latent vorhandene Anpassungspädagogik.
 
2.nach Speck
 
In dem von Ihm entwickelten Modell des handlungsbezogenen Unterrichts betont Speck, die Offenheit gegenüber dem entwicklungsbezogenen Modells. In dem Unterricht wird schon erster Raum für Selbständigkeit, freies Handeln, Kreativität und Selbstverwirklichung gegeben.
In einem solchen handlungsbezogenen Unterricht ist eine genaue und fixierende Lernzielbestimmung kaum möglich, ein Lernergebnis bleibt erst mal offen. Doch geht Speck auch von einem Handlungsbegriff aus, der die Zielgerichtetheit des Handelns selbst betont. Die Handlung selbst ist ein Ergebnis, ist die Antwort auf die Situation aus der heraus die Aufgabe gestellt ist.
Lösen von Aufgaben enthalten unterschiedliche Phasen:
 
-          Stimulation
-          Realisation
-          Auswertung
 
Es ist davon auszugehen, das sich handlungsbezogene Modelle von einem Lernzielbegriff lösen, der „als sprachlich artikulierte Vorstellung von dem zu bewirkenden gewünschten Verhaltensdispositionen“ definiert wird.
Strenge Lernzielvorgaben i. S. einer Vorgabe von zu erreichenden Verhaltendispositionen, sind unter Berücksichtigung der
 
 
 
Heterogenität der Schülerschaft, nicht möglich. Dieses widerspricht auch der Empowerment-Idee, weil es die Schüler auf ein angestrebtes Endverhalten hin eingrenzt.
 
Es ist sinnvoll, das Merkmal „Offenheit“ für den handlungsbezogenen Unterricht weniger explizit im Hinblick auf Lernziele zu beschreiben, sondern vielmehr in Hinblick auf die Methodik der subjektiven Bewältigung einer Aufgabenstellung. Eine lebendige Vielfalt der Lernwege muss hervortreten, wodurch der geistig behinderte Schüler die Möglichkeit erhält, seinen individuellen Lernvorrausetzungen und Lernbedürfnissen entsprechend zu handeln. Eigene Wege einschlagen können und in den Möglichkeiten subjektiver Bewältigungsstrategien , offen und frei handeln können.
Speck schreibt, in Anlehnung an Piaget:
Der Mensch lernt im wesentlichen durch sein Handeln, verwirklicht sich in seiner Aktivität.........Sie ist Ausdruck des Verlangens nach Überwindung des gestörten Ungleichgewichts.....
 
Ziel eines handlungsorientierten Unterrichts ist es, das Handlungsfähigkeit als soziale Erfahrung entsteht und sich in einer weise entwickelt und stabilisiert, dass selbstbestimmtes handeln ermöglicht wird.
Der Unterricht muss radikal ernst machen mit dem Aktivitätsprinzip. Er muss dynamischer sein, dem Kind hinreichend Gelegenheit geben, durch Handeln Erfahrungen zu sammeln. Er darf nicht vorwegnehmen was das Kind durch eigene Aktivität finden könnte.
Eine heilpädagogische Einsicht, das Denken, Fühlen und Wollen im unmittelbaren Lebenszusammenhang erfahren und erlebt werden muss, wird durch diesen realisierten Anspruch an handlungsorientierten Unterrichts neu verdeutlicht.
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