behinderungen


 Internationale Klassifikation:
Es gibt mehrere Versuche, den umfassenden Behinderungsbegriff definitorisch in verschiedene Ebenen zu zerlegen. Sie haben nicht zu einem Konsens geführt, und zwar hauptsächlich deshalb nicht, weil diese Ebenen nicht mit dem üblichen Sprachgebrauch zu vermitteln sind. Ein international gebräuchliches Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Beschreibung von Behinderungen liegt seit dem Rehabilitation Code Report (1957-1962) vor.
Danach werden drei Dimensionen der Betrachtung unterschieden:
  impairment (Schädigung)
    bedeutet Mängel und Abnormitäten der anatomischen,
     psychischen oder physiologischen Funktionen und Strukturenm des Körpers
  disability (Beeinträchtigung)
                 der Menschen, die aufgrund ihrer Schädigung in der Regel
                 eingeschränkte Fähigkeiten im Vergleich zu nicht 
                 geschädigten Menschen gleichen Alters besitzen
  handicap ( Behinderung)
     Benachteiligung des Menschen im körperlichen oder
     psychosozialen Feld, in familiärer, beruflicher und
    gesellschaftlicher Hinsicht aufgrund   seiner Schädigung und
     Beeinträchtigung.
So einsichtig diese Definitionen auf den ersten Blick sind, so schwierig erweist sich die Abstimmung mit unserem alltagsverständlichen Begriff von Behinderung. Das Wort Behinderung kommt im engeren Sinne in der Übersetzung nicht vor. Das bedeutet auf der einen Seite: Behindertsein eines Menschen ist ein komplexer Prozess von Ursachen und Folgen, unmittelbaren Auswirkungen, individuellem Schicksal und sozialen Konsequenzen. Auf der anderen Seite liegt in der abgestuften Differenzierung eine berechtigte optimistische Sicht, durch gesundheitspolitische, sozialpolitische und pädagogische Maßnahmen (Rehabilitation) Schädigungen und Beeinträchtigungen soweit zu beeinflussen, dass daraus keine gravierenden Benachteiligungen erwachsen. Zum anderen möchte ich darauf hinweisen, dass durch die Professionalisierung unseres Systems und der daraus folgenden Finanzierung der Sozialen Arbeit mit Menschen mit Handcap, eine Klassifizierung dieser Menschen als Behinderte notwendig erscheint.
Behinderung ist in der Regel die Folge einer Schädigung, eines Mangels oder eines Defekts, zum Beispiel einer frühkindlichen Hirnschädigung, einer angeborenen Gliedmaßenfehlbildung oder eines Ausfalls im Bereich der Sinnesorgane. Die Schädigung kann im körperlich-biologischen, aber auch im seelisch-geistigen Bereich aufgetreten sein. Im ersteren Fall lässt sie sich vielfach leichter diagnostizieren und ursächlich ausmachen. Schädigungen im emotionalen und kognitiven Bereich, zum Beispiel eine massive frühkindliche Vernachlässigung, die zu einer späteren psychischen Behinderung führt, sind demgegenüber selten eindeutig zu bestimmen.
Die mitunter vorgenommene Aufteilung nach organischen und funktionellen Störungen ist allerdings eine idealtypische Einteilung, die im konkreten diagnostischen Fall nicht immer anzuwenden ist. So lässt sich die einer Behinderung zugrunde liegende Schädigung mitunter nicht von der Folgebeeinträchtigung trennen. Wenn wir von einem körperbehinderten oder einem blinden Menschen reden, dann sind sowohl der Zustand körperlicher Versehrtheit als auch die Folgeerscheinung der Behinderung gemeint.
Behinderung muss von Krankheit unterschieden werden. Behinderung gilt in der Regel als Folgeleiden der Erkrankung, als verbliebener Zustand nach durchlaufenem Krankheitsprozess. Die Grenzen sind allerdings nicht starr zu ziehen, etwa bei allen angeborenen Behinderungen. Eine Invalidität liegt vor, wenn Unfall oder Erkrankung zum Verlust der Bewegungsfähigkeit geführt haben, wenn eine abgeklungene entzündliche Hirnerkrankung Sprachverlust oder geistige Behinderung zur Folge hat. In anderen Fällen, so bei Blutern, können Krankheitsprozess und Behindertsein nicht unterschieden werden.
Behinderung ist kein statischer Sachverhalt. Behinderungen können nach Unfall oder Erkrankung plötzlich auftreten. Sie können ebenso durch medizinische Behandlung oder pädagogische Förderung behoben werden, wie zum Beispiel eine Sprachbehinderung aufgrund von Gaumenspalte, die operiert wurde. Behinderungen können in ihren Auswirkungen wesentlich gemildert werden, zum Beispiel durch apparative Versorgung bei einem Schwerhörigen. Andererseits gibt es fortschreitende Krankheitsprozesse, bei denen mit einer Verschlimmerung des Behindertsein zu rechnen ist, so bei progressivem Muskelschwund. Eine der wesentlichen Aufgaben von Medizin, Pädagogik und Sozialhilfe besteht darin, Beeinträchtigungen rechtzeitig zu erkennen und durch prophylaktische Maßnahmen zu verhindern, dass aus einer drohenden Behinderung eine manifeste Behinderung wird
Vgl.:
Bintig, A.: Wer ist behindert? Problematisierung der Begriffe und Definitionen von Behinderung in Verwaltung, Wissenschaft und Forschung. Berlin 1980.
World Health Organisation: International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps. A manual of classification relating to the consequences of disease. Genève 91980.
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